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Sunday, April 20, 2014

 Wir drehen die Musik auf. Es geht raus aus der Stadt. Wohooo. Fenster runter. Kopf in den Fahrtwind. Ziel: Meer

In St Peter-Ording - oder wie es hier heißt SPO - angekommen. Die Drachen und Kites der Surfer sind schon von Weitem zu erkennen. Und über den Sand rasen die Kite-Buggies, also Seifenkisten mit Lenkdrachen. Das Leben spielt sich am Wasser ab. Es wird gebuddelt, gebadet, ge-sonn-badetet, geflogen und gelaufen was das Zeug hält. Und wir liegen im Wind und lassen uns über das Wasser treiben. Fast wie fliegen. Hach - schön.

Was das war?

Das erste Mal durch's Watt stapfen.
Das erste Mal Windsurfen in 2014.
Das erste Mal im VW Bulli-Kochbuch geblättert.
Das erste Ostern in St. Peter-Ording. Aber: nicht das letzte.

Habt' noch schöne Restostern.















Wednesday, October 09, 2013


 
Vorbei an Vulkan-Caldera-Rändern und satt grünen Hügelketten brettern wir bergauf und bergab auf der Landstraße, die von Bafoussam ins etwa 80 Kilometer entfernte Foumban im Norden führt. Und dann sind wir da – in einem doch so anderen Kamerun, wie ich bisher gesehen habe. Wo vielleicht Aladdin auch zu Hause war? Möglich. Aber eines ist sicher: Wir sind im Königreich der Bamoun angekommen.


Einer der größten Märkte Westkameruns gibt es hier – und ich genieße mal wieder das Weltkino. Obst, Gemüse, Fleischmarkt wird gemieden (Warum? – Artikel über meine Schocktherapie gibt’s hier...), Stoffe in Hülle, Fülle und allen Farben, Ketten, Masken, Schuhe. Auch Unterwäsche, wer braucht. Und dann plötzlich Schreie. 
Palast des Sultans

Zuerst rennen Menschen links und rechts an mir vorbei, dann schiebt mich die Menschenmasse Sekunden später einfach mit sich – und ich lasse mich verdutzt treiben. Obwohl ich nicht so ganz verstehe, was eigentlich passiert. Menschen schreien immer noch und da frage ich eine junge Frau, was denn los sei. „Er kommt, er kommt, er kommt!“ „Wer denn?“. Weg ist sie. Alle rennen rechts in einen Innenhof. Gegen den Menschenstrom kann ich mich nicht wehren. 
Und dann sehe ich zum ersten Mal den Palast. 
Und einen Sultan.  
Einen echten Sultan
Und wie ein Sultan hierzulande begrüßt wird.

Sultan Ibrahim Mbombo Njoya 

Frauen reihen sich rechts und links auf und bejubeln den Herrn mit Turban, weißem Gewand und Pilotensonnenbrille. Hat definitiv was von Rock’n’Roll, wie ich finde. Jüngere wedeln mit Palmblättern oder halten dem Sultan einen Sonnenschirm als Schutz gegen die beißende Sonne. Musiker tröten mit langen Hörnern und Trompeten – Trommelschläge – Flötenspieler, dazu ein Paar Tänzer.  Wieder Jubelschreie aus der Menschenmasse. Der Sultan erreicht seinen Thron vor dem Palast und setzt sich. Und die Menschen gruppieren sich, eilen in kleinen Gruppen  zu ihm vor, knien nieder, eilen zurück und tauchen wieder in die Menschenmasse ein. Nach einer halben Stunde verabschiedet sich der Sultan und betritt seinen Palast. Die Menschentraube verstreut sich - es geht zurück in den Marktstrudel. Nur die Musiker dudeln noch etwas Musik und unterhalten die übrig gebliebenen Zuhörer.

Wer ist dieser Sultan?

Seit August 1992 ist Ibrahim Mbombo Njoya herrschender Sultan des Bamoun-Volks. Bevor er Sultan wurde, hatte er eine politische Karriere. Und ja, ich glaube, er ist ziemlich modern und „nah am Volk“. Hat sogar eine Facebookseite.  
Ich sag's ja: Rock'n'Roll.


Mehr Infos!

Das Königreich der Bamoun wurde schon 1394 in und um Foumban gegründet. Damit ist Foumban eine der ältesten Städte Kameruns...


Monday, September 09, 2013





Der Geruch von Fleisch liegt in der Luft. Die Gassen im Markt von Bafoussam sind eng und werden enger, je näher man Richtung Herz des Marktes vorstößt. Frauen in ihren bunten Gewändern sitzen vor kleinen Tischen voller Gewürze. Es geht links ab. Und am Eingang der nächsten Gasse blicken mich einzelne Kuhköpfe - in Linie gelegt - an. Die Hörner teilweise noch am Schädel. Mein Blick steigt vom Boden wieder auf normale Augenhöhe. Ich sehe links von mir tropfendes, schon gehäutetes Tierfleisch von den Ständen hängen. Männer hacken mit ihren Macheten das rohe Fleisch auf Holzplanken. 


„Möchten Sie Tierhaut kaufen?“, fragt mich ein Verkäufer auf der rechten Seite. Ich höre die Frage erst dumpf, da mein Blick noch der herunterschnellenden Machete auf meiner linken Seite folgt. Dann wende ich mich zu ihm und blicke auf die Ware zu seinen Füßen. Aufgetürmte Tierhaut auf sandigem Boden. Nach Fellfarbe sortiert.

„Alles erst geliefert, ist noch sehr frisch. Sehr gute Qualität!“, meint er zu mir.
- „Ähm, nein – danke. Ich suche eigentlich Tomaten.“

Ich gehe weiter. Das Ende naht – ich sehe Tomaten und Kartoffeln am hinteren Ende der Gasse, gleich neben den Maniokknollen. Da will ich hin. Weg von zu viel rohem Fleisch auf einmal. Ich sauge so viele Bilder in mich ein, dass ich beginne zu taumeln. Meine Augen  wissen nicht, wo sie zuerst hinschauen sollen. Links wird gerade ein Tierbein zersägt. 



Es quiekt und schreit. „Schlag zu, schlag zu!“, höre ich einen jungen Mann schreien. Mein Blick folgt der Axt direkt zwischen die Augen des Schweins. Es quiekt nicht mehr. Ich erstarre. Totenstille. Um mich herum ein wildes Stimmengewirr. Menschen strömen links und rechts an mir vorbei – in die Tiefen der Gasse. „Möchten Sie etwas kaufen? Wir haben ganz frisches Fleisch“ , tönt es von den Seiten.
Ich fühle mich wie in einem Strudel. Mir ist etwas schwindlig. „Ähm, ich will Tomaten kaufen.“ 



Manchmal braucht man wohl eine Schocktherapie. Ich esse seitdem kein Fleisch mehr und fühle mich sehr wohl als neuer "Vegi".

Der Markt von Bafoussam ist ein Besuch wert. Auf engstem Raum reiht sich Stand an Stand. Wer nicht in der Fleischgasse landen möchte, hat noch viele andere Gassen zur Auswahl: Schneidergasse, Gewürzgasse, Gemüsegasse, Obstgasse, Kleidergasse, Schuhgasse, Reifengasse, Motorradgasse, Buchgasse, Schmuckgasse, Ledergasse, Friseurgasse. Da ist für jeden etwas dabei.Und wenn man ein ruhiges Plätzchen findet, kann man wunderbar das Treiben beobachten. Ein wahrer Blockbuster.